Kreatin: Wirkung, Dosierung & Studienlage

Kreatin ist eines der am besten untersuchten Nahrungsergänzungsmittel im Sport. Es kann in Kombination mit Krafttraining die Maximalkraft, die Trainingsleistung und den Aufbau fettfreier Muskelmasse messbar unterstützen. Dieser Beitrag fasst die aktuelle Studienlage sachlich zusammen: Was ist belegt, wie wird dosiert, und wo liegen die Grenzen?

Was ist Kreatin und wie wirkt es?

Kreatin ist eine körpereigene Verbindung, die zu einem großen Teil in der Skelettmuskulatur gespeichert wird. Der Körper stellt sie selbst her (u. a. aus Aminosäuren), zusätzlich wird sie über tierische Lebensmittel wie Fleisch und Fisch aufgenommen. In der Muskelzelle wird Kreatin als Phosphokreatin gespeichert und dient der schnellen Wiederbereitstellung von ATP – dem unmittelbaren Energieträger für kurze, intensive Belastungen wie Sprints, Sprünge oder schwere Wiederholungen. Eine gezielte Zufuhr erhöht die muskulären Kreatinspeicher und kann so die Kapazität für hochintensive Belastungen verbessern.

Was sagt die Studienlage?

Die Fachgesellschaft International Society of Sports Nutrition (ISSN) bezeichnet Kreatinmonohydrat in ihrem Positionspapier (2017) als das wirksamste derzeit verfügbare ergogene Supplement, um die Kapazität für hochintensive Belastungen und die fettfreie Körpermasse während des Trainings zu steigern [1]. Meta-Analysen deuten darauf hin, dass Kreatin in Verbindung mit Krafttraining die Kraftzuwächse im Vergleich zu einem Placebo verbessern kann – beobachtet wurde dies unter anderem bei Übungen für Ober- und Unterkörper [2].

Auch beim Zuwachs an fettfreier Masse zeigen Auswertungen einen Vorteil gegenüber Placebo, wenn Kreatin begleitend zum Krafttraining eingenommen wird [3]. Wichtig zur Einordnung: Kreatin ist kein Ersatz für Training. Die Effekte entstehen im Zusammenspiel mit einem strukturierten Trainingsreiz, und die Größenordnung der Verbesserung variiert je nach Geschlecht, Trainingsstatus, Dosis und Dauer der Einnahme [2].

Dosierung: Ladephase oder nicht?

In der Praxis werden zwei Vorgehensweisen beschrieben. Bei der klassischen Ladephase werden für rund 5–7 Tage etwa 20 g pro Tag (aufgeteilt auf mehrere Portionen) eingenommen, gefolgt von einer Erhaltungsdosis von etwa 3–5 g pro Tag. Alternativ lassen sich die Speicher auch ohne Ladephase mit einer konstanten Tagesdosis von rund 3–5 g füllen – das dauert etwas länger (mehrere Wochen), führt aber zu vergleichbaren Speicherwerten [1]. Zusätzliche Effekte auf Kraft und Masse werden vor allem bei Einnahmedauern über mehrere Wochen beobachtet [3]. Kreatinmonohydrat gilt dabei als die am besten untersuchte und in der Regel empfohlene Form.

Sicherheit und Nebenwirkungen

Kreatinmonohydrat gilt bei gesunden Personen und sachgemäßer Anwendung als gut verträglich. Laut ISSN-Positionspapier zeigten sich bei Einnahmen von bis zu 30 g pro Tag über längere Zeiträume keine schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen bei gesunden Erwachsenen [1]. Ein häufiges Missverständnis ist, dass Kreatin die Nieren schädige – Übersichtsarbeiten fanden dafür bei gesunden Menschen keine belastbaren Belege [4]. Eine anfängliche, meist geringe Gewichtszunahme durch vermehrte Wassereinlagerung in der Muskulatur ist möglich. Wer Vorerkrankungen (insbesondere der Nieren) hat, Medikamente einnimmt, schwanger ist oder stillt, sollte die Einnahme vorab ärztlich abklären.

Kreatin und Ausdauersport

Der klarste Nutzen von Kreatin liegt bei kurzen, hochintensiven und wiederholten Belastungen. Für reine Dauerleistungen ist der direkte Effekt geringer. Dennoch kann Kreatin auch für Ausdauersportler:innen relevant sein – etwa bei Intervall- und Sprintanteilen, im Kraft- bzw. Athletiktraining sowie potenziell in der Regeneration [1]. Für die Grundlagenausdauer bleiben jedoch andere Faktoren wie Kohlenhydratverfügbarkeit, Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt sowie eine nährstoffreiche Ernährung entscheidend. Eine bunte, pflanzenbetonte Basis – Zutaten wie Rote Beete, Granatapfel oder Ingwer liefern etwa sekundäre Pflanzenstoffe – ergänzt eine durchdachte Supplement-Strategie sinnvoll, ersetzt sie aber nicht.

FAQ

Muss ich Kreatin dauerhaft einnehmen? Kreatin wirkt über gefüllte Muskelspeicher. Setzt man es ab, sinken diese über einige Wochen wieder auf das Ausgangsniveau. Für einen anhaltenden Effekt ist daher eine regelmäßige Erhaltungsdosis üblich.

Wann sollte ich Kreatin einnehmen? Der genaue Zeitpunkt ist zweitrangig – entscheidend ist die tägliche Gesamtdosis über die Zeit. Manche Auswertungen deuten auf leichte Vorteile einer Einnahme rund ums Training hin, die Datenlage dazu ist aber uneinheitlich.

Ist Kreatin nur für Kraftsportler? Nein. Der größte Nutzen zeigt sich bei hochintensiven Belastungen, doch auch Mannschafts- und Ausdauersportler:innen mit intensiven Trainingsanteilen können profitieren.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische oder ernährungswissenschaftliche Beratung.

Quellen

  1. International Society of Sports Nutrition position stand: Safety and efficacy of creatine supplementation in exercise, sport, and medicine, Journal of the ISSN (2017)
  2. The Effects of Creatine Supplementation on Upper- and Lower-Body Strength and Power: A Systematic Review and Meta-Analysis, Nutrients (2025)
  3. Effect of creatine supplementation during resistance training on lean tissue mass and muscular strength in older adults: a meta-analysis (2017)
  4. Common questions and misconceptions about creatine supplementation: what does the scientific evidence really show?, Journal of the ISSN (2021)