Kurz gesagt: Nitrat aus Rote-Bete-Saft kann die Sauerstoffkosten submaximaler Belastung senken und so die Laufökonomie verbessern. Für kürzere, intensive Ausdauerleistungen ist die Studienlage relativ solide – ausgerechnet auf der Marathon- und Langdistanz sowie bei sehr gut trainierten Athlet:innen fallen die Effekte jedoch kleiner und uneinheitlicher aus. Rote Bete ist also ein plausibler, aber kein garantierter Marathon-Booster.
Warum Rote Bete überhaupt mit Ausdauer in Verbindung gebracht wird
Rote Bete gehört zu den nitratreichsten Gemüsesorten. Nach dem Trinken wird ein Teil des Nitrats von Bakterien im Mund zu Nitrit reduziert, gelangt in den Blutkreislauf und kann dort weiter zu Stickstoffmonoxid (NO) umgewandelt werden. NO wirkt gefäßerweiternd und beeinflusst die Effizienz der Muskelkontraktion sowie der Energiebereitstellung in den Mitochondrien.
Der am besten dokumentierte Effekt: Nitrat kann die Sauerstoffkosten einer gleichmäßigen Belastung senken – der Körper leistet also dieselbe Arbeit mit etwas weniger Sauerstoff. Genau das ist für Läufer:innen interessant, denn eine bessere Laufökonomie bedeutet im Idealfall, dass ein gegebenes Tempo weniger Energie „verbraucht". Reviews betonen allerdings, dass dieser Effekt vor allem bei jungen, gesunden und weniger trainierten Personen robust ist und der zugrunde liegende Mechanismus noch nicht vollständig verstanden ist.
Was die Studienlage zur Ausdauer zeigt
Systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen deuten darauf hin, dass Nitrat aus Rote-Bete-Saft die Ausdauerleistung tendenziell verbessern kann – besonders bei Zeitfahren bzw. Belastungen bis etwa 40 Minuten Dauer und bei der Zeit bis zur Erschöpfung. Die Effekte sind im Mittel klein, aber im Wettkampfkontext, wo Sekunden zählen, potenziell relevant.
Wichtig für die Einordnung: „Ausdauer" ist nicht gleich „Marathon". Viele der positiven Befunde stammen aus kürzeren, hochintensiven Belastungen. Je länger und je moderater die Belastung, desto unsicherer wird die Datenlage.
Marathon & Langdistanz: die ehrliche Einordnung
Beim Marathon läuft man über zwei Stunden oder länger bei submaximaler Intensität – ein Szenario, das sich deutlich von einem 10-Minuten-Zeitfahren unterscheidet. Hier ist die Beweislage dünner und gemischter. Eine Studie an Elite-Geher:innen fand beispielsweise, dass weder Rote-Bete-Saft noch eine erhöhte Kohlenhydrataufnahme die Ökonomie einer langen, wettkampfnahen Belastung verbesserten.
Mögliche Gründe: Bei sehr langer Dauer dominieren Faktoren wie Kohlenhydratverfügbarkeit, Hydration, Hitze und Muskelermüdung, und ein kleiner Ökonomie-Vorteil kann im Rauschen dieser Einflüsse untergehen. Für die Marathon-Distanz gilt daher: Rote Bete ist einen Versuch im Training wert, sollte aber nicht die Grundlagen – Trainingsumfang, Renntempo-Steuerung und Wettkampfverpflegung – ersetzen.
Trainingszustand: Freizeitläufer vs. Elite
Ein wiederkehrendes Muster in der Forschung: Wer bereits sehr gut trainiert ist, profitiert tendenziell weniger. Hochtrainierte Ausdauerathlet:innen haben ihren NO-Stoffwechsel und ihre Laufökonomie oft schon weitgehend „ausgereizt", sodass zusätzliches Nitrat weniger bewirkt. Übersichtsarbeiten berichten für die reine Ausdauerleistung bei Elite-Sportler:innen inkonsistente Ergebnisse – trotz messbar erhöhter Nitrat- und Nitritwerte im Blut. Für ambitionierte Freizeit- und Hobbyläufer:innen könnte der relative Nutzen dagegen größer sein.
Dosierung & Timing
In Studien wird häufig eine Nitratmenge von etwa 8–16 mmol pro Tag (rund 500–1.000 mg) verwendet. Zwei Anwendungsformen zeigen sich als sinnvoll: eine akute Einnahme etwa 2–3 Stunden vor der Belastung, wenn die Nitrit-Konzentration im Blut ihren Höhepunkt erreicht, oder eine mehrtägige Einnahme über mindestens drei Tage. Ein praktischer Hinweis: Starke antibakterielle Mundspülungen können die Umwandlung von Nitrat zu Nitrit stören, weil sie die beteiligten Mundbakterien reduzieren. Jede Verträglichkeit ist individuell – neue Strategien gehören ins Training, nicht an den Wettkampftag.
Wo Red Ritual ins Bild passt
Zutaten wie Rote Beete liefern von Natur aus Nitrat, während Granatapfel und Ingwer weitere sekundäre Pflanzenstoffe beisteuern. Genau diese Kombination steckt in Red Ritual, einem Direktsaft aus Roter Beete, Granatapfel, Limette und Ingwer. Wer die oben beschriebenen Ansätze ausprobieren möchte, hat damit eine praktische, alltagstaugliche Nitratquelle – ausdrücklich als Ergänzung zu einer durchdachten Trainings- und Ernährungsstrategie, nicht als Ersatz dafür.
Häufige Fragen (FAQ)
Verbessert Rote-Bete-Saft die Marathonzeit? Möglicherweise leicht, aber nicht garantiert. Der stärkste Beleg besteht für kürzere Ausdauerbelastungen; für die Marathon-Distanz und bei sehr gut Trainierten ist die Evidenz schwächer und uneinheitlich.
Wann sollte man Rote Bete vor dem Laufen trinken? Studien nutzen typischerweise eine Einnahme etwa 2–3 Stunden vor der Belastung oder eine Aufnahme über mehrere Tage im Vorfeld.
Wie viel Rote Bete ist sinnvoll? In der Forschung liegen wirksame Mengen meist bei rund 8–16 mmol Nitrat pro Tag (etwa 500–1.000 mg). Die individuelle Verträglichkeit sollte zuerst im Training getestet werden.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische oder ernährungswissenschaftliche Beratung.
Quellen
- The effects of dietary nitrate supplementation on endurance exercise performance and cardiorespiratory measures in healthy adults: a systematic review and meta-analysis (Journal of the International Society of Sports Nutrition, 2021)
- Effects of Beetroot Juice on Physical Performance in Professional Athletes and Healthy Individuals: An Umbrella Review (2024)
- Effects of Beetroot-Derived Nitrate Supplementation in Highly Trained and Elite Athletes: A Scoping Review of Randomized Controlled Trials (2025)
- Beetroot juice supplementation reduces the oxygen cost of exercise without improving mitochondrial efficiency: but how? (2016)
- Neither Beetroot Juice Supplementation nor Increased Carbohydrate Oxidation Enhance Economy of Prolonged Exercise in Elite Race Walkers (2021)
- Physiological Effects of Beetroot in Athletes and Patients (2019)