Rote Bete beim Rudern: Nitrat für die 2000-m-Leistung

Kurz gesagt: Rote-Bete-Saft liefert natürliches Nitrat, das der Körper in Stickstoffmonoxid umwandeln kann. Mehrere Studien mit trainierten Ruderinnen und Ruderern deuten darauf hin, dass eine ausreichend hohe Nitratdosis vor dem Wettkampf die Leistung auf der klassischen 2000-m-Distanz leicht verbessern kann – vor allem, indem die Sauerstoffeffizienz der Muskulatur steigt. Die Effekte sind real, aber moderat und dosisabhängig.

Warum ausgerechnet Rudern von Nitrat profitieren könnte

Rudern über 2000 Meter ist eine der brutalsten Ausdauerdisziplinen überhaupt: Ein Rennen dauert je nach Boot und Niveau rund 6 bis 8 Minuten und fordert gleichzeitig ein sehr hohes Sauerstoffaufnahmevermögen (VO2max) und eine enorme Kraftausdauer nahezu aller großen Muskelgruppen. Genau in diesem Bereich – lange, intensive Belastung mit hohem Energieumsatz – setzt Nitrat an. Wenn die Muskulatur pro Ruderschlag mit weniger Sauerstoff dieselbe Leistung erbringt, bleibt in der zweiten Rennhälfte potenziell mehr Reserve. Deshalb ist Rudern ein naheliegendes Anwendungsfeld für die Nitratforschung.

Was die Studienlage zum Rudern zeigt

Die Forschung speziell zum Rudern ist überschaubar, aber recht konsistent. In einer Studie mit gut trainierten Nachwuchsruderern führte die tägliche Einnahme von Rote-Bete-Saft über mehrere Tage dazu, dass sich die Leistung bei wiederholten maximalen 500-m-Intervallen verbesserte – der Vorteil zeigte sich vor allem in den späteren, ermüdungslastigen Wiederholungen [1].

Eine spätere placebokontrollierte Studie untersuchte verschiedene Dosierungen vor einem simulierten 2000-m-Test bei trainierten Athletinnen und Athleten. Das Ergebnis: Eine höhere Nitratdosis (rund 8,4 mmol), nicht aber eine moderate Dosis, war mit einer leichten Leistungsverbesserung verbunden [2]. Das passt zu einer aktuelleren Untersuchung an gut trainierten Master-Ruderern, in der eine akute Rote-Bete-Gabe die 2000-m-Zeitfahrleistung und die gemessene maximale Sauerstoffaufnahme verbesserte [3].

Die Botschaft dieser Arbeiten ist nüchtern, aber ermutigend: Der Effekt existiert, er ist im Bereich weniger Prozent angesiedelt – und er scheint an eine ausreichend hohe Dosis gebunden zu sein.

Wie wirkt Nitrat aus Roter Bete?

Rote Bete gehört zu den nitratreichsten Gemüsen. Nach dem Verzehr wird ein Teil des Nitrats über Bakterien im Mundraum zu Nitrit reduziert und im Körper unter bestimmten Bedingungen – etwa bei sinkender Sauerstoffverfügbarkeit in intensiv arbeitenden Muskeln – weiter zu Stickstoffmonoxid (NO) umgewandelt. NO ist ein wichtiges Signalmolekül für die Weitung der Blutgefäße und für Stoffwechselprozesse in der Muskelzelle.

Grundlagenstudien zeigen, dass Rote-Bete-Saft den Sauerstoffbedarf bei submaximaler Belastung um etwa 3–5 % senken kann [4]. Vereinfacht heißt das: Die Muskulatur arbeitet ökonomischer und leistet pro verbrauchtem Sauerstoff mehr mechanische Arbeit. Ein Übersichtsartikel ordnet die Datenlage so ein, dass diese Effekte bei Freizeit- und gut trainierten Sportlern deutlicher ausfallen als bei absoluten Spitzenathleten, deren Muskulatur bereits sehr effizient arbeitet [5].

Dosierung und Timing in der Praxis

Aus der Studienlage lassen sich grobe Anhaltspunkte ableiten. Für einen akuten Effekt vor dem Wettkampf werden häufig rund 6–8 mmol Nitrat etwa 2 bis 3 Stunden vor der Belastung eingesetzt – der Zeitraum, in dem der Nitrit-Spiegel im Blut typischerweise seinen Höhepunkt erreicht. Alternativ nutzen manche Sportlerinnen und Sportler ein mehrtägiges Ladeprotokoll über mehrere Tage vor dem Rennen. Wichtig: Antibakterielle Mundspülungen können die Umwandlung im Mundraum stören und den Effekt abschwächen. Und: Zutaten wie Rote Bete liefern dieses Nitrat auf natürliche Weise – ein Direktsaft ist damit ein praktischer Weg, die in Studien verwendeten Mengen abzubilden.

Grenzen und ehrliche Einordnung

So vielversprechend das klingt: Der Nutzen ist individuell verschieden. Nicht jede Person reagiert gleich stark („Responder" vs. „Non-Responder"), und bei sehr gut trainierten Ruderern kann der Effekt kleiner ausfallen. Die Studien arbeiten zudem mit kleinen Teilnehmerzahlen. Eine harmlose, aber irritierende Begleiterscheinung ist die Rotfärbung von Urin und Stuhl (Beeturie). Wer empfindlich auf größere Saftmengen vor Belastung reagiert, sollte Timing und Menge im Training testen – niemals zum ersten Mal am Wettkampftag.

Häufige Fragen (FAQ)

Verbessert Rote-Bete-Saft die Ruderleistung wirklich?
Studien mit trainierten Ruderern deuten auf leichte Leistungsvorteile über 2000 m hin, sofern die Nitratdosis hoch genug ist. Die Effekte liegen im Bereich weniger Prozent und sind individuell unterschiedlich.

Wann sollte ich den Saft vor dem Rudern trinken?
In den Untersuchungen wurde Nitrat meist rund 2–3 Stunden vor der Belastung eingenommen, da der Nitrit-Spiegel im Blut dann sein Maximum erreicht.

Warum wirkt Nitrat gerade beim Rudern?
Die 2000-m-Distanz kombiniert hohe Sauerstoffaufnahme mit langer, intensiver Muskelarbeit. Eine bessere Sauerstoffeffizienz kann sich hier besonders in der ermüdenden zweiten Rennhälfte bemerkbar machen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische oder ernährungswissenschaftliche Beratung.

Quellen

  1. Dietary nitrate supplementation improves rowing performance in well-trained rowers (Int J Sport Nutr Exerc Metab, 2012)
  2. The effect of variable doses of inorganic nitrate-rich beetroot juice on simulated 2000-m rowing performance in trained athletes (Int J Sports Physiol Perform, 2014)
  3. Effects of acute beetroot juice intake on performance, VO2max and ventilatory efficiency in well-trained master rowers (2024)
  4. Dietary nitrate supplementation reduces the O2 cost of low-intensity exercise (J Appl Physiol, 2009)
  5. Dietary nitrate supplementation and exercise performance (Sports Medicine, 2014)